Blutegeltherapie

Die Anwendung von Blutegeln in der Heilkunst ist vermutlich so alt wie die Heilkunst selbst. In den Sanskrit-Aufzeichnungen Indiens wurden sie bereits vor 3000 Jahren erwähnt, und im Mittelalter gehörten Blutegel zur therapeutischen Ausstattung der bedeutendsten Ärzte. Bis zum 19. Jahrhundert war die Behandlung mit Blutegeln auch in Europa weit verbreitet. Leider geriet dieses wunderbare Tier zugunsten moderner Therapieverfahren fast in Vergessenheit. Aber nur fast...

 

In der heutigen Zeit besinnt man sich wieder auf das Jahrtausende alte Wissen. Und das nicht ohne Grund, denn der Speichel der Blutegel ist gefüllt mit genialen Wirkstoffen. Sie wirken entzündungshemmend, entgiftend und schmerzstillend.

 

Die Blutegeltherapie ist wie ein kleiner Aderlass. Was ihn jedoch von allen anderen Ausleitungsverfahren unterscheidet, ist die einzigartige Wirkung des Speichelsekrets der Egel, welches sie während des Saugens ins Blut der Patienten leiten. Wissenschaftler haben über 20 verschiedene Inhaltsstoffe im Speichel gefunden.

 

Am intensivsten erforscht wurden die Substanzen Eglin und Hirudin.

Eglin ist eine Substanz, die entzündungsauslösende Enzyme in ihrer Aktivität blockieren. Dadurch wirkt sie dem Entzündungsprozess entgegen und hat eine große schmerzstillende Wirkung.

Hirudin hingegen hemmt die Blutgerinnung, indem es den Gerinnungsfaktor Thrombin in seiner Wirkung beeinträchtigt, was sich sehr positiv auf die Fließeigenschaft des Blutes auswirkt.

 

Hirudin fördert die Bildung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Leukozyten spielen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern. Durch die erhöhte Anzahl der Leukozyten und deren gesteigerte Tätigkeit wird das Immunsystem erheblich entlastet. Hirudin beschleunigt zudem noch den Lymphfluss, wodurch die in der Lymphe enthaltenen Schadstoffe schnell zur Ausscheidung gebracht werden. Der Körper wird entgiftet.

Und wie reagiert mein Tier bei diesem Biss?

 

Keine Sorge. Mit seinen 80 Kalkzähnen beißt sich der kleine Egel schnell fest und über seinen Speichel wird sofort eine schmerzstillende Substanz in die Bissstelle geleitet. Beim Menschen fühlt es sich an als ob man an einer Brennnessel gestreift hätte. Die Tiere reagieren in der Regel kaum. Meine Hunde lieben die Blutegeltherapie.

 

Und was passiert hinterher mit dem Egel?

 

Einige Therapeuten lösen den Egel in 90% Alkohol auf, was ich sehr grausam finde. Andere legen den Egel ins Gefrierfach wobei er sanft in den Schlaf schlummert. Meine Egel bleiben bei mir. Sie haben so wertvolle Dienste an einem kranken Tier geleistet. Der Gedanke, dieses wunderbare Tier nach getaner Arbeit einfach zu „entsorgen“, passt nicht zu meiner Philosophie. Früher konnte man die gebrauchten Egel wieder an die Farmen zurückschicken, wo sie den Rest ihres Lebens in einem „Rentnerteich“ verbringen durften. Ich hoffe, das dies in Zukunft wieder möglich sein wird.

 

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© Tierheilpraxis Daniela Jahn